Tabu
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Ein Tabu ist eine gesellschaftliche Verhaltensregel, die etwas streng verbietet, ohne ein offizielles Gesetz zu sein. Charakteristisch ist, dass die Regel nicht nur ungeschrieben, sondern auch unausgesprochen bleibt und nur durch indirekte Thematisierung (z. B. Ironie) oder beredtes Schweigen in Geltung gesetzt oder gehalten wird; dadurch bleibt sie der Begründung und Kritik entzogen. Tabus können sich beziehen auf Wörter, Gegenstände, Handlungen, Konfliktpunkte, auf Pflanzen und Tiere, einzelne Menschen oder soziale Gruppen. Unterschieden werden können Tabus aufgrund ihres stillschweigenden Charakters von ausdrücklichen Verboten mit formalen Strafen.
Der Begriff „Tabu“ ist aus soziologischer und sozialpsychologischer Sicht von besonderer Bedeutung. Tabus schützen ein Thema vor dem Diskurs in einer Gruppe, Gemeinschaft oder Gesellschaft: „Darüber spricht man nicht!“. Dem Thema wird kein Platz, kein „Ort“ im öffentlichen „Raum“ des Bezugssystems gewährt, es kommt in der öffentlichen Meinung nicht vor.
Als „Tabuthema“ wird ein Thema bezeichnet, das nicht oder nur eingeschränkt öffentlich thematisiert wird. Oft handelt es sich dabei um Gebiete, die wunde Punkte einer Gesellschaft berühren. So waren etwa im alten Japan Personen tabu, die bestimmte unangenehme, eigentlich im Rahmen der herrschenden religiösen Reinheitsvorstellungen sogar unzumutbare, aber praktisch notwendige Arbeiten ausübten; beispielsweise Henker, Latrinen-Ausleerer und die unter extrem unhygienischen Verhältnissen arbeitenden Gerber. Diese Personen wurden nicht berührt und man sprach auch nicht mit ihnen oder über sie, wenn es sich irgend vermeiden ließ.
Auch wenn heute in westlichen Ländern vielfach von einer „Gesellschaft ohne Tabus“ gesprochen wird, gibt es auch hier, wie in jeder Gesellschaft Tabuthemen, die insbesondere bestimmte Extremzustände der Körperlichkeit betreffen, z. B. Sexualität, Krankheit, Alter und Tod. Ein zweiter bedeutender Tabu-Bereich in der modernen westlichen Gesellschaft sind die eigenen, persönlichen finanziellen Verhältnisse.
Ein Fauxpas (französisch für „Fehltritt“) ähnelt einem bewussten Tabubruch, ist aber im Gegensatz zu diesem unabsichtlich. Ein Fauxpas wird oft "weggelacht", ein bewusster Tabubruch wird meist durch Stigmatisierung und Ausschluss des Tabubrechers "bestraft".
Ein Tabu ist etwas anderes als ein No-Go oder ein ausdrückliches Verbot.
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